Eine Liebesgeschichte

Einer meiner Ausbilder, sein Name war „Willi“, erzählte in einer meiner Zusatzausbildungen folgende Geschichte zum Thema Liebe, die ich hier sehr gerne wiedergebe.

Willi kam eines Abends etwas zu spät zu unserer Ausbildungsgruppe. Er lächelte, war verschwitzt, guter Dinge, freute sich ganz offensichtlich, dass er uns etwas Nettes, Schönes erzählen konnte, was vielleicht mit unserer Ausbildung in Zusammenhang stand. Willi war dafür bekannt, dass er gerne Geschichten von sich gab, die „irgendwie“ mit unserer Ausbildung zu Beratern und Therapeuten für Menschen in schwierigen Situationen zu tun hatte.

Er erzählte, er käme gerade von einer Klientin, die extreme Kontaktschwierigkeiten mit anderen Menschen hätte. Sie säße lange Zeit allein mit ihren Fantasien von der Welt in ihrer Wohnung. Die einzigen Kontakte mit der Außenwelt wären das Radio und manchmal auch der Fernseher. Weil wir Willi gut kannten, wussten wir, dass jetzt etwas „Gutes“ kommen würde. Willi war Hochschulprofessor und Psychologe, der Einzelklienten kostenlos betreute, um nicht den Kontakt zur, wie er das sagte: „realen Welt“, zu verlieren.
So war unser Willi F. Ein Herzensmensch, der die Welt, auch die schwierigen Menschen in dieser Welt mit seinem Herz betrachtete. (Für mich ist er heute nach mehr als 40 Jahren immer noch ein Mensch, an dem ich mich gerne erinnere.)

Zurück zur Geschichte.
Willi strahlte über das ganze Gesicht und erzählte, dass er erfahren hätte, seine Klientin würde gerne die Fernsehsendung „Bonanza“ sehen. Sie würde nie eine verpassen. Meine Mitlernenden und ich waren über diese Mitteilung überrascht. Willi genoss unsere Überraschung und setzte seine Erzählung fort. Wer diese schwarz-weiß Sendung noch kennt, weiß dass ein ausgesprochen dicker „Sohn“ der Familie eine der tragenden Rollen spielte. Es war der große, dicke, fette Hoss. Nicht sonderlich intelligent, doch immer möglichst nett zu seinen Mitmenschen, er konnte feste zupacken, wenn es zu einer Handgreiflichkeit kam, was immer wieder der Fall in der Serie „Bonanza“ war.
Hoss war eine stattliche Erscheinung, ihm fehlten einige Zähne, das änderte aber alles nichts an seiner Freundlichkeit und an seinem über das gesamte Gesicht verbreitete Lachen.
Zusammengefasst: Ein freundlicher Gemütsmensch, den eigentlich nichts aus der Ruhe bringen konnte, außer Ungerechtigkeiten.
In diesen Hoss hatte sich die Klientin unseres Ausbilders verliebt.
Willi erzählte, dass sie es ihm mit rötlichen Wangen glänzenden Augen wie im Geheimen gestanden hatte.
Willi freute sich darüber wie ein Kind, weil ein Mensch, der seit Jahren unfähig zu liebevollen, netten, sozialen Kontakt war, ihm diese kleine Liebelei auf Distanz gestanden hatte.

Es geht um Liebe, es geht um einfache, zarte Liebe. Nichts Großes und doch etwas Wunderbares von und mit einem Menschen, der bisher als kontaktscheu, kontaktreduziert und vielleicht sogar kontaktunfähig galt.
Es geht auch um die Liebe unseres Ausbilders zu seiner Klientin, die ihm – ohne es zu wissen und zu wollen – eine große Freude gemacht hatte. Willi selbst hat uns eine große Freude gemacht, indem er diese Geschichte der zarten Liebesbande im Zusammenhang mit einem therapeutischen Fortschritt erzählte.
Ich bin heute noch gerührt von seinem Erfolg und seiner Geschichte.

Wir Auszubildenden freuten uns mit ihm. Doch was hatte das damals mit unserer Ausbildung zu tun? Und: Was hat das mit Liebesleben und Astrologie zu tun, kann man sich jetzt fragen.

Damals hat Willi uns erklärt, dass man als Berater/Begleiter schon mit kleinen Fortschritten zufrieden sein kann, wenn man sich darüber freut. Freude, so Willi ist auch ein Ausdruck von Liebe. Wo Freude ist, ist Liebe nicht weit.

Ich möchte mit den folgenden Texten viel Freude, Klarheit bringen und zu konstruktiven Auseinandersetzungen und einem liebevollen Miteinander inspirieren. Ich möchte mit den Ideen und Übungen viele Einsichten in bisher unbekannte Zusammenhänge möglich machen. Falls es mir gelingt, mit diesen Texten den einen und den anderen Schlüssel zu einem besseren Verständnis vom Miteinander in der Liebe zu liefern, habe ich mein Ziel erreicht.

3 Kommentare

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Lieber Wilfried;

Für mich, ich geb es offen zu, sind diese Texte, die liebe-vollsten und herz-lichsten Texte, die ich je gelesen habe und in mir immer aufs Neue eine Freude und ein ganz körperliches Lächeln bewirken und das täglich neu, danke!

Ich habe gestern eine lange Radtour unternommen und deine Liebesgeschichte ist im Hintergrund „mitgefahren“ und hat mich irgendwie begleitet. Plötzlich fiel sie mir ein und brachte mich zum Lächeln. Dann erinnerte ich berufliche Momente, als ich bemerkte, dass ich mich über kleine Fortschritte meiner Kinderklienten richtig freuen konnte – und begriff jetzt erst die Wichtigkeit und Herzlichkeit darin. Und einmal gestern, da musste übers ganze Gesicht lachen, als die Geschichte deines Ausbilders bildhaft und liebevoll vor mir „stand“. Einfach wunnerbar!

Lieber Wilfried, mich und mein Herz hast du schon mit diesem zweiten Beitrag erreicht, den ich auf deiner Seite lese. Ich freue mich über deine Seite, denn diese Weise über die Liebe, das Liebesleben etc.zu informieren und Informationen bei sich zu sammeln oder sie durch den link an andere weiterzugeben macht die Welt etwas wärmer und herzlicher…so find ich.

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